Zweifelhafte Zurschaustellung

Schon fünf Jahre nach der Eröffnung des Zoo Basel wurden nicht nur Tiere präsentiert, sondern auch Menschen aus anderen Kulturen zur Schau gestellt. In inszenierten, eingezäunten Dörfern führten sie Tänze, Schaukämpfe und Rituale vor Publikum auf. 1879 waren im Rahmen einer Wanderausstellung Nubierinnen und Nubier mit Zebus, Kamelen und Eseln auf dem Zoogelände zu sehen. Mit den sogenannten Völkerschauen erschloss sich der Zoo eine zusätzliche Einnahmequelle. Bereits die erste Schau im Jahr 1879 erbrachte innerhalb von zwölf Tagen rund einen Fünftel der Jahreseinnahmen. Zwischen 1879 und 1935 wurden im Zoo Basel insgesamt 21 Völkerschauen gezeigt. Heute vor 100 Jahren, am 29. März 1926, meldete die Basler Chronik Gäste aus Ostafrika: «Im zoologischen Garten schlagen Abessinier ihre Zelte auf.»

Die Völkerschauen im Zoologischen Garten Basel waren auch Thema im Stadtbuch 1992.

Das Kaiserreich Abessinien in Ostafrika, das bis 1974 bestand, faszinierte auch in Basel. Mitte der 1930er-Jahre fanden mehrere Vorträge statt: Missionar Heintze-Flad sprach über ‹Die Falaschas Abessinies›, Walter Mittelholzer hielt einen Filmvortrag, Emil Ludwig referierte über ‹Erfahrungen und Aussichten›. Prof. H. Morf berichtete in Basel über ‹Selbstgeschautes und Selbsterlebtes in Abessinien› sowie ein Jahr später über die ‹Verkehrsgeographie von Abessinien›. E. Stüssi sprach über ‹Eine Paddelbootfahrt nach Abessinien›. 1954 kam der abessinische Kaiser Haile Selassie mit einer 20-köpfigen Entourage und 3000 Kilogramm Gepäck zu einem Staatsbesuch in die Schweiz. In Bern jubelten ihm über 100'000 Menschen zu. In Basel wurde der Monarch auf Perron 1 von Bundesrat Dr. M. Petitpierre und von Regierungsratspräsident Dr. P. Zschokke empfangen.

Bildquelle: Staatsarchiv Basel-Stadt, Carl Eduard Hoffmann, BSL 1045i 9-2 27

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