Stadtgedächtnis seit 1879
Wasch-, Bad- und Gemeindehaus auf der Breite
Auf den Tag genau vor hundert Jahren entschied das Basler Parlament: «Der Grosse Rat […] bewilligt – entgegen einem liberalen Rückweisungsantrag – die Bauvorlage im Betrage von 1¼ Millionen Franken für das Wasch-, Bad- und Gemeindehaus auf der Breite […].» (Basler Chronik, 11. Februar 1926)
Die an der Weidengasse 53/55 gelegene Bad- und Waschanstalt, entworfen vom Architekten Ernst Mutschler, präsentiert sich als markanter Gebäudekomplex aus zwei Eckbauten mit einem verbindenden Mitteltrakt. Im Erdgeschoss waren die Badeeinrichtungen untergebracht, darunter Brause- und Wannenbäder; im Obergeschoss des Mitteltrakts befindet sich noch immer der Versammlungssaal. Entlang der Eptingerstrasse erstreckt sich ein Seitenflügel, der die eigentliche Waschanstalt aufnahm. Als Bad- und Waschanstalt war das Gebäude bis 1974 in Betrieb.
In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Liegenschaft eine vielfältige Zwischennutzung: Eine Brockenstube, Lehrwerkstätten für Automechaniker, der Männerchor Breite sowie der Pontonierfahrverein Breite waren hier zeitweise beheimatet. Heute ist in dem Haus unter anderem das Jugendzentrum Breiti eingerichtet. Seit 2008 betreiben zudem Fans des FC Basel 1893 einen Versammlungssaal unter dem Namen ‹Saal 12›.
Das erste Basler Badhaus entstand bereits um 1866. Um die Jahrhundertwende entwickelten sich öffentliche Bad- und Waschanstalten zu zentralen Einrichtungen der städtischen Infrastruktur. Zahlreiche Quartiere verfügten über ein eigenes Brausebad; insgesamt existierten neun solcher Anlagen. Da viele Arbeiterhäuser jener Zeit ohne Badezimmer errichtet worden waren, boten diese Badhäuser die Möglichkeit zur Körperpflege nach der Arbeit.
Die Breite-Badanstalt findet im Stadtbuch 1986 im Rahmen eines Beitrags über das Breite-Quartier eine kurze Erwähnung.
Im Bild: Innenansicht der Wäscherei, 1928
Bildquelle: Staatsarchiv Basel-Stadt, Foto: Kling Jenny, BD-REG 3b 1 (1) 258 6