Ritterturnier ausser Kontrolle

Heute vor 650 Jahren, am 26. Februar 1376, einen Tag vor Aschermittwoch, geriet ein Ritterturnier auf dem Münsterplatz völlig ausser Kontrolle. Die Fasnacht dieses Jahres ging deshalb als ‹Böse Fasnacht› in die Basler Geschichtsbücher ein.

An jenem Tag veranstaltete der 25-jährige Herzog Leopold III. von Habsburg, Reichsvogt von Basel, mit zahlreichen Anhängern ein Turnier. In einer langen Zweierreihe zog er, begleitet von rund hundert adligen Reitern, über die Rheinbrücke und anschliessend den Rheinsprung hinauf zum Münsterplatz. Während des Turniers drängten die Ritter mit ihren Pferden mehrfach in die Zuschauermenge und schleuderten ihre Speere ins Publikum. Dieser Übermut der Ritterschaft provozierte die Bürger und Handwerker derart, dass es zu Tumulten kam. Die aufgebrachte Menge stürmte die Zunfthäuser, bewaffnete sich und griff die Habsburger an. Herzog Leopold konnte nur knapp in einem Kahn nach Kleinbasel entkommen.

Die Historiker Georg Kreis und Beat von Wartburg vermuten, dass «Anhänger des Bischofs und Befürworter einer städtischen Autonomie» den Aufruhr angezettelt haben könnten. Auf dem Kornmarkt wurden zwölf vermeintliche Rädelsführer hingerichtet. Für Herzog Leopold stellten die Ausschreitungen eine schwere Verletzung des adeligen Standesbewusstseins dar. Basel musste ihm fortan Dienstfolge leisten und eine Genugtuung von 8000 Gulden zahlen.

Mehr über «Turniere im alten Basel» findet sich im Basler Stadtbuch 1970.

Im Bild: Ein Grossteil der Ritterschaft floh in den Eptingerhof, Rittergasse 12. Die aufgebrachte Menge brach das verschlossene Tor auf, stürmte den Festsaal und schlug auf die Habsburger ein. Dabei kamen drei Adlige und mehrere Soldaten ums Leben, mehr als fünfzig Adlige gerieten in Gefangenschaft. Auf der Abbildung ist der Eptingerhof als mittleres der drei Gebäude zu erkennen; im Vordergrund befindet sich das begrünte Portal der Domprobstei.

Bildquelle: Staatsarchiv Basel-Stadt, Foto: Bernhard Wolf, NEG A 2484

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