Stadtgedächtnis seit 1879
Aufstieg der «Holzklasse»
Der grosse Klassenwechsel von 1956, heute vor 70 Jahren: «Im Zusammenhang mit dem üblichen Fahrplanwechsel heben die SBB die erste Wagenklasse auf und bezeichnen die beiden verbleibenden als I. und II. Klasse.» (Basler Chronik, 3. Juni 1956)
Die bisherige 3. Klasse, oft als Holzklasse bezeichnet, verschwand jedoch nicht einfach. Sie wurde zur neuen 2. Klasse befördert. Damit blieb sie das Rückgrat des Bahnreisens, denn der Grossteil der Bevölkerung, rund 88 % der Bahnreisenden, war vor und auch nach 1956 in der «Holzklasse» unterwegs. Die Passagierinnen und Passagiere der 1. Klasse hatten bis 1955 bei den SBB lediglich 1,5 % zu den Verkehrserträgen beigetragen.
Die Aufhebung der 3. Klasse erfolgte im Rahmen einer europaweiten Vereinheitlichung. Auf den Fahrplanwechsel vom 3. Juni 1956 hin stellten zahlreiche Bahnen ihre Systeme um. Der Internationale Eisenbahnverband hatte diesen Schritt bereits 1953 beschlossen, um den grenzüberschreitenden Verkehr zu vereinfachen und zu harmonisieren. Trotz anfänglicher Bedenken – insbesondere von kleineren Privatbahnen, die Einnahmeverluste befürchteten – setzte sich das Zweiklassensystem durch.
Im Stadtbuch von 1982 findet sich ein Beitrag, der das Doppeljubiläum 100 Jahre Gotthardbahn und 75 Jahre Bahnhof Basel SBB zum Anlass nahm, um auf die Geschichte der Eisenbahn in Basel zurückzublicken.
Im Bild: Personenwagen 3. Klasse C 4ü, Innenansicht Abteil, ca. 1950.
Bildquelle: SBB Historic, P_0891