Stadtgedächtnis seit 1879
Das Aus für Patent Ochsner
Über Jahrzehnte hinweg prägte er das Basler Stadtbild – der robuste Ochsnerkübel mit dem charakteristischen Deckel, Synonym für Schweizer Ordnungssinn. Vor rund 40 Jahren kam das Aus, entschied der Regierungsrat: «Mit einer neuen Abfallverordnung untersagt der Regierungsrat die Verwendung der bisherigen Ochsnereimer für die Kehrichtabfuhr.» (12. November 1985) Ein halbes Jahr später, am 12. Mai 1986, trat das Verbot in Kraft.
Das System Ochsner hatte in der Stadt Basel eine beeindruckende Laufzeit von 55 Jahren. Die Ursprünge finden sich im Jahr 1931, als der Basler Regierungsrat am 3. März die Einführung eines neuen, staubfreien Entsorgungssystems beschloss – basierend auf zwei Patenten des Zürcher Ingenieurs Jacques Ochsner.
Was als technischer Fortschritt gefeiert wurde, geriet allerdings ins Stocken: Der Zweite Weltkrieg verzögerte die Umsetzung erheblich. Erst am 13. September 1948 konnte die ausschliessliche Nutzung der Ochsnereimer stadtweit verbindlich verordnet werden. Damit unterhielt Basel – wie viele andere Schweizer Städte – auf ein genormtes, hygienisches und praktisches Entsorgungssystem, das zum Inbegriff moderner Abfallwirtschaft wurde. Daher war auch vorgeschrieben, dass jeder Ochsnerkübel, der zur Leerung bereitsteht, mit Zeitungspapier ausgekleidet sein soll. Die geprägte Beschriftung «Basel-Stadt» und der Baselstab kennzeichnen den Müllkübel als Teil der städtischen Müllentsorgung.
Übrigens: Der Name der bekannten Berner Mundart-Band Patent Ochsner geht direkt auf diesen Kübel zurück – genauer gesagt auf die Firmenaufschrift «Patent Ochsner» auf den Abfalleimern und Müllfahrzeugen der J. Ochsner AG.
Hans Peter Muster rollt im Basler Stadtbuch 1986 unter dem Titel «Vom ‹Gleggliwagen› zum Plastiksack: Basler Kehrichtabfuhr 1900–1986» die Geschichte der Güselentsorgung auf.
Im Bild: Ochsner-Schütter mit Schiebedeckel, Rollenlagerung und Fanghaube, um 1940.
Bildquelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Ans_09138-023-AL