Protest gegen bürgermeisterliche Willkür

Heute vor 180 Jahren am 4. August 1845 entlud sich während des «Käppisturms» der Protest gegen bürgermeisterliche Willkür: «Im März 1844 hatte die Regierung verfügt, der schwerfällige Tschakko der Infanterie sei durch eine leichtere Kopfbedeckung, das Käppi, zu ersetzen; für die Ausrüstung der Artilleristen aber reichten die Finanzen offenbar nicht aus. Dies erboste die von besonderem Waffenstolz geprägte Kanoniere so, dass Artilleriewachtmeister und Redaktor Dr. Karl Brenner sich in der Nationalzeitung über die ungerechtfertigte Zurücksetzung beklagte. Da dieser an sich harmlose Artikel in den Augen der Behörden Anlass zu Aufreizung, Unordnung und Ungehorsam gab, wurde Brenner auf den Lohnhof beordert und dort in Gewahrsam genommen.
Bald verbreitete sich in der Stadt die Kunde von Brenners Verhaftung, welche Erstaunen und Missbilligung erregte. Da entschlossen sich die Artilleristen zur gewaltsamen Befreiung ihres Waffenbruders. Mit klingendem Spiel marschierten sie am 4. August 1845 von der Klingentalkaserne zum Lohnhof. Noch versuchte Bürgermeister Carl Burckhardt, die Menge zu beschwichtigen, aber ein wildes Geschrei unterbrach ihn, und von hinten kamen Steine geflogen. Bald barst das äussere Tor des Gefängnisses unter Hammerschlägen und Axthieben, und die Menge drang in den Hof ein. Ein Artillerist rief: ‹Wir fordern die Diener der Gerechtigkeit auf, uns die Zelle Brenners zu zeigen.› Noch weigerten sich die Polizisten, aber bei der Drohung, alle Türen einzuschlagen, öffneten sie die Zelle Brenners. Dieser war beim Eintritt der Artilleristen sehr betroffen und wollte zunächst nicht mitgehen. Dann gab er aber nach, und sie stiegen die Treppe hinab. Unter grossem Jubel nahmen zwei Burschen Brenner auf ihre Achseln, der Zug formierte sich und zurück ging es dem Klingental zu» (aus: Adolf W. Grosser im Stadtbuch 1984: «150 Jahre Artillerie-Verein Basel-Stadt»)

Im Bild: Befreiung Dr. Karl Brenners aus dem Lohnhof durch das Basler Artillerie-Korps am 4. August 1845

Bildquelle: Staatsarchiv Basel-Stadt, R. Weiss, C. Bossert, BILD 13, 48

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