Ein Unglück als Impuls für Innovation

Am 28. August 1901 ereignete sich in Basel ein Unglück, das sieben Menschenleben kostete und einen Wendepunkt in der Entwicklung des Stahlbetonbaus markiert. Vor 118 Jahren stürzten beim Bau des neuen Hotels Bären in der Aeschenvorstadt die Fassadenmauern ein und begruben 13 Personen unter sich. «Der von der Basler Baugesellschaft unternommene Neubau des Gasthauses zum Bären in der Aeschenvorstadt stürzt in der Abendstunde plötzlich zusammen. Es wurden 13 Personen bei dem Unfall verschüttet, und zwar 6 verwundet und 7 getötet. Durch den Unglücksfall sah sich die Polizei gezwungen, die Aeschenvorstadt mehrere Tage hindurch für den Verkehr gänzlich abzusperren.» (Basler Chronik)

Beim Bau des Gasthauses Bären kam das Hennebique-System zur Anwendung. Dessen Erfinder, der Franzose François Hennebique (1842–1921), legte gezielt einzelne «Einlagen in Form von Eisenstäben» in die Zugzonen eines monolithischen, feingliedrigen Betontragwerks ein. Jedoch war die von ihm verwendete Bemessungsmethode nicht korrekt, was den damaligen ETH-Professor Wilhelm Ritter veranlasste, einen auch aus heutiger Sicht bemerkenswerten, grundlegenden Aufsatz über den Eisenbeton zu verfassen. Der Untersuchungsbericht offenbarte sowohl Mängel im Entwurf als auch in der Planung des Tragwerks und führte 1903 zur weltweit ersten Norm für Stahlbetonkonstruktionen. Im Bild:

Das Basler Stadtbuch 1967 berichtete über die Aeschenvorstadt.

Bildquelle: Basler Stadtbuch

Teilen