Der unreine Rhein

Auf dieser Luftaufnahme vom 28. Juli 1948 sind die grossen Öl-, Benzin- und Petroleumtanks der Firma Shell am Kleinbasler Rheinbord, die aufgefächerten Gleisanlagen der Hafenbahn sowie dahinter das Klybeckquartier mit dem Inselschulhaus zu sehen. Das BALAIR-Foto offenbart zugleich eine Basler Umweltsünde. Im Vordergrund zeichnet sich eine dunkle Farbspur im Fluss ab. Es handelte sich dabei um Industrieabwasser, das aus den nahegelegenen Firmen der chemischen Industrie in den Rhein geleitet wurde. Auch das im Schlachthof beim St. Johanns-Tor anfallende Blut floss, wie seit dessen Eröffnung im Jahr 1870 üblich, direkt in den Fluss.

Im Jahr 1896 stimmte Basel darüber ab, dass jedes Haus auf kantonalem Boden an die Kanalisation angeschlossen werden müsse. Auf Grundlage eines 1974 erstellten Vertrages zwischen den Kantonen BS und BL sowie den grossen Chemiekonzernen Ciba-Geigy, Sandoz und Roche erhielt Basel jedoch erst 1982 seine Abwasserreinigungsanlage (ARA). Es handelte sich um eines der grössten kantonalen Bauprojekte jener Zeit. Bis zur Inbetriebnahme der Anlage flossen alle kommunalen und industriellen Abwässer unbehandelt in den Rhein. An das heute so beliebte Schwimmen im Fluss war damals noch nicht zu denken.

Aus Anlass des Baubeginns der ARA veröffentlichte das Stadtbuch im Jahr 1978 den Beitrag ‹Gereinigte Abwässer›, der hier online nachzulesen ist.

Bildquelle: Staatsarchiv Basel-Stadt, BALAIR 4519

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