Klassenkampf auf dem Marktplatz

Klassenkampf auf dem Marktplatz vor dem Basler Rathaus vor über 100 Jahren: «Die Sozialdemokratische Partei veranstaltet auf dem Marktplatz eine Protest-Versammlung gegen das am Tage zuvor vom Territorialgericht 3 in Bern gefällte Urteil im Generalstreikprozess. Es sprachen Red. F. Schneider, einer der Verurteilten, und Dr. F. Welti, einer der Verteidiger der Angeklagten.» (Basler Chronik, 11. April 1919)

Dem Prozess waren die Ereignisse rund um den Landesstreik vom November 1918 vorausgegangen, der schweizweit zu scharfen politischen und sozialen Spannungen geführt hatte. Insgesamt standen im Frühjahr 1919 einundzwanzig Gewerkschafter und Sozialdemokraten vor einem Militärgericht; ihnen wurde ‹Meuterei› vorgeworfen. Verurteilt wurden letztlich vier der Angeklagten.

Auch in Basel entluden sich die Gegensätze zwischen der von Sozialdemokratie und Gewerkschaften getragenen Arbeiterbewegung und dem von bürgerlichen Kräften dominierten Staatsapparat. Zentrale Forderungen des Streiks – darunter die 48-Stunden-Woche und eine staatliche Altersvorsorge – stiessen zunächst auf heftigen Widerstand. Dennoch setzten sich wichtige Reformen in den folgenden Jahren durch: Bereits 1919 wurde die geregelte Arbeitszeit eingeführt, 1925 folgte die Verfassungsgrundlage für die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV).

Eine Auswertung der Landesstreik-Protokolle der Basler Regierung veröffentlichte Fritz Grieder im Basler Stadtbuch 1969.

Bild: Demonstration auf dem Marktplatz gegen das Urteil im Generalstreikprozess am 11. April 1919.

Bildquelle: Staatsarchiv Basel-Stadt , AL 45, 3-78-1

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