Stadtgedächtnis seit 1879
Bedrohte Schneidergasse
Dieser Blick in die Schneidergasse am 18. Dezember 1949 zeigt: Die meisten historischen Gebäude, die hier zu sehen sind, stehen noch heute – obwohl ihr Abriss bereits geplant war. Im Rahmen der sogenannten Talentlastung, offiziell «Korrektionsplan Grossbasel» genannt, sollte eine breite Schneise durch die Altstadt entstehen, vom Blumenrain bis zur Steinenvorstadt. Auch die Bauten rund um den Andreasplatz sollten weichen; an ihrer Stelle war ein zweiter Marktplatz vorgesehen.
Erstaunlicherweise blieb dieser Nachkriegsplan unausgeführt, obwohl er in der Abstimmung vom 11. Dezember 1949 eine klare Mehrheit fand. Statt den Verkehr über eine vierspurige Strasse durch die Altstadt zu lenken, setzte man ab 1955 auf das Konzept einer Ringstrasse mit Tangenten. Dennoch riss man das Wohn- und Geschäftshaus mit dem Zigaretten- und Tabakhändler Wenzler (links im Bild hinter dem Gifthüttli) ab. So verbreiterte sich der obere Teil der Schneidergasse deutlich. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite blieb das Restaurant Hasenburg erhalten, neben dem sich bis heute der Zugang zum Andreasplatz befindet.
Erst 1974 hob der Kanton die ursprünglich geplanten Korrektionslinien offiziell auf. Drei Jahre später wies er die gesamte Grossbasler Altstadt der Schutz- oder Schonzone zu.
Das Basler Jahrbuch 1951 beschäftigte sich mit dem Korrektionsplan und seinen möglichen Auswirkungen auch auf die Schneidergasse.
Bildquelle: Staatsarchiv Basel-Stadt, Foto: Hans Bertolf, BSL 1013 1-174 1