Basler Chemiepatron auf Abwegen

Haft für Robert Bindschedler, den Gründer der CIBA. Auf den Tag genau heute vor 125 Jahren, am 9. Juli 1900, bestätigte das Basler Appellationsgericht das Urteil des Strafgerichts vom 2. Februar. Die NZZ schrieb von einem «sensationellen Prozess». Die Basler Chronik hält fest: «Vom Appellationsgericht wird Dr. Rob. Bindschedler in dem bekannten Antipyrinprozess in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils wegen Betrugs und Betrugversuchs zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt und sofort in Haft geführt».

Robert Bindschedler beging mit weiteren Personen Verstösse gegen einen mit der deutschen Firma Hoechst geschlossenen Vertrag über den Verkauf des schmerzstillenden und fiebersenkenden Medikaments Antipyrin. Bindschedler hatte viel mehr Antipyrin verkauft, weit über sein vertragliches Berechtigungsquantum hinaus, so dass er, statt sich von Hoechst vereinbarte Entschädigungen auszahlen zu lassen, grosse Mengen Antipyrin von Hoechst hätte zum festgelegten Preisen beziehen müssen. Während der Verbüssung seiner Haftstrafe starb er an einem Herzschlag.

Im Jahr 1873 erwarben Robert Bindschedler und Albert Busch die Anilinfarbenfabrik Clavel und bauten sie zur führenden chemischen Fabrik der Stadt Basel aus. Unter dem Namen Bindschedler, Busch & Cie. erlebte das Unternehmen einen starken Aufschwung und beschäftigte 1881 bereits 250 Arbeiter und 20 Chemiker. 1884 wurde Bindschedler & Busch in Ciba umgewandelt, die Bindschedler bis 1889 als Direktor leitete.

Im Bild: Die Fabrik Bindschedler & Busch. Fotografie von Jakob Höflinger, Basel, 1879. Die Fotografie verziert auch den Umschlag des Buches «Vergiftete Schweiz. Eine andere Geschichte der Industrialisierung» von Claudia Aufdermauer, das letztes Jahr im Hier und Jetzt Verlag erschienen ist.

Über die Anfänge der chemischen Industrie in Basel weiss das Stadtbuch 1982 viel Interessantes zu berichten.

Bildquelle: Firmenarchiv Novartis Schweiz AG, Basel, CIBA B&B T 1.01.3

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