Chronik Juni 1891
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Nach kurzer Krankheit stirbt Dr. jur. Aug. Heusler, seit langen Jahren trefflicher...
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Ausstellung von Frölichers (Solothurn) künstlerischem Nachlass in der Kunsthalle
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In der Generalversammlung der Aktionäre der Centralbahn wird mit grosser Mehrheit Verkauf der...
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Die Sitzung des Grossen Rathes eröffnet Präsident Dr. Isaac Iselin mit einer Ansprache, in...
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Der Einsturz einer von der Martinsgasse her durch den Universitätshof führenden Dohle lässt in...
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Mit bescheidener Feier wird das 25jährige Waisenvater-Jubiläum von J. J. Schäublin begangen
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Der Bürgerrath beschliesst Verkauf des Areals des Zoologischen Gartens an die Einwohnergemeinde
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Im benachbarten Münchenstein sollte heute ein Bezirksgesangfest abgehalten werden
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…. Zudem hatte ein freundlicher, sonniger Morgen zur Verabredung vieler Ausflüge auf den Nachmittag geführt. Infolge dessen entstand für den regelmässigen Zug 2.15 der Jurabahn ein so starker Andrang, dass noch im letzten Moment zwei Personenwagen an dem nicht reglementsmässigen Platz unmittelbar hinter dem Tender der Lokomotive eingestellt wurden und man eine zweite schwere Maschine vorspannte. Als man mit voller Schnelligkeit gegen die Station Münchenstein fuhr und wie es scheint, unmittelbar auf der Eisenbahnbrücke über die Birs zu bremsen begann, brach das schwache Bauwerk unter der Last und Erschütterung zusammen. Der Zug stürzte in folgender Ordnung in die gerade ziemlich hoch angeschwollene Birs: die beiden Lokomotiven, ein Personenwagen 3. und einer 1. und 2. Klasse, ein Postwagen, ein Eilgutwagen, 2 Personenwagen 3. Klasse; ein Personenwagen 1. und 2. Klasse blieb auf dem linken Widerlager in schräger Richtung hängen; 5 Personenwagen 3. Klasse mit zahlreichen Insassen blieben auf dem Geleise fast unversehrt stehen und die in diesen befindlichen Passagiere kamen meist mit dem Schrecken und der gewaltigen Erschütterung davon. Ein grosser Theil der Reisenden in den erstgenannten Personenwagen wurden getödtet. Das Münchensteinerunglück hat mehr Todte gekostet, als irgend eine Eisenbahnkatastrophe vor ihm auf dem europäischen Kontinent. Von 70 Personen wurde der Tod an Ort und Stelle constatirt; 3 weitere starben unmittelbar nach dem Unglück im Basler Spital; ein Soldat soll nach einigen Wochen den Verletzungen erlegen sein, welche er bei den Abräumungsarbeiten erlitten hatte. Mit wenigen Ausnahmen wurden die Schwerverwundeten, sowie eine Anzahl leichter Verletzte im Spital untergebracht, 43 in der Gesammtzahl. Doch wurden in Privathäusern noch eine grosse Menge Verwundeter verpflegt. Wenn man auch nicht annimmt, dass noch eine und die andere Leiche im Flussbett vertiefte oder rheinwärts geschwemmt und nicht mehr aufgefunden wurde - die Vermissten-Listen bildeten noch lange eine stehende Rubrik in unsrer Presse - so mag doch die Zahl sämmtlicher durch die schreckliche Katastrophe direkt Betroffenen 250-300 betragen. In Münchenstein wurde sofort nach Bekanntwerden des Unglücks den Festlichkeiten ein Ziel gesetzt. Die Beherzten begaben sich mit den Insassen der geretteten Wagen und denen, die ohne schwere Verletzungen aus den vordern Wagen davon gekommen waren, an die grausige Arbeit. Die Todten brachte man in der Scheune des Geigy'scheu Gutes herwärts der Birsbrücke unter, die Verwundeten in den Zimmern der benachbarten Häuser, wie auch, sofern thunlich, im Freien. Bald war auch der erste Extrazug mit Ärzten aus der Stadt da und nicht lange dauerte es bis eine gewisse Organisation in die Arbeiten kam. Die Stadt leistete, obschon die Unglücksstätte nicht auf ihrem Gebiete liegt, was in ihren Kräften stand. Ausser den Basler Ärzten, welche im Laufe des Nachmittags sich fast vollzählig an der eingestürzten Brücke sammelten, fanden auch eine Kompagnie Löschmannschaft und die in der Kaserne Dienst thuende Sanitätsrekrutenschule daselbst Verwendung. Am Unglückstage selbst wurden noch 50 Leichen geborgen, im Laufe der folgenden Tage die übrigen. Schon am Montag aber drangen Gerüchte nach Basel, dass die Räumungsarbeiten noch so viel als gar nicht an die Hand genommen seien. Die zahlreichen Neugierigen, welche während der nächsten Tage hinauswallten, kehrten meist als Entrüstete zurück und klagten bitterlich über die Lässigkeit aller derer, von denen man ein energisches Eingreifen erwarten konnte. Die Hauptschuld daran mochte der Umstand tragen, dass eben der Laie, welcher sich den Unglücksort ansah, sich nicht darüber Rechenschaft zu geben vermochte, was für Hilfsmittel erforderlich seien um beispielsweise eine Lokomotive von 1200-1300 Zentner Gewicht zu heben. Ob und wie weit ein wirkliches Verschulden der zu den Arbeiten verpflichteten Instanzen mit unterlief, lässt sich an dieser Stelle unmöglich entscheiden. Genug, dass in Basel eine, vielleicht durch Ungeschick und Taktlosigkeiten Subalterner gewissermassen gerechtfertigte Gereiztheit und Bitterkeit Platz griff. Die Stimmung machte sich vor Allem geltend gegenüber der Jura-Simplonbahn und dem Direktionspräsidenten Marti, weil dieser eben erst noch bei den Eisenbahnrückkaufs-Debatten im Nationalrath eine erste und vielfach nicht angenehm empfundene Rolle gespielt hatte, jetzt aber sammt seinen Untergebenen nur incognito die Stätte zu besuchen schien; gegenüber der basellandschaftlichen Regierung, welcher man vorwarf, sie habe in allzu eifriger Wahrung ihrer Competenz die freundeidgenössische Hilfe der städtischen Nachbarn abgewiesen; endlich gegenüber dem Bund, genauer dem eidgenössischen Eisenbahndepartement, dessen mangelhafter Kontrolle man zum Theil die Katastrophe glaubte zuschreiben zu müssen und das gleichfalls bisher noch wenig Sichtbares schien geleistet zu haben. So hängte sich für Basel an das namenlose Unglück eine ganze Kette von Verdriesslichkeiten. Nur darin waren diessmal alle Parteien, alle Pressorgane einig, dass unsrer Regierung für ihre energische und correkte Haltung Anerkennung und Dank gebühre. Sie hatte sich von den ersten Stunden an für Ordnung auf dem Unglücksplatze bemüht, hatte sich, als die Räumungsarbeiten nicht vorwärts gehen wollten, über den Kopf der zunächst Berechtigten und Verpflichteten hinweg telegraphisch um Beförderung der Arbeiten an den Bundesrath gewandt. Sie hatte gethan, was in ihren Kräften stand, um die Erhebung von Haftpflichtansprüchen zu erleichtern, hatte sich zur Erlegung von à-conto-Zahlungen an Haftpflichtberechtigte bereit erklärt u.s.f. Sie hatte sich ferner allgemeinen Dank dadurch erworben, dass sie Theater und Concerte für 10 Tage nach dem Unglück strenge untersagte, wenn auch die allgemein in Basel herrschende aufrichtige Trauer ein solches Verbot fast überflüssig erscheinen liess. Sie hatte endlich, im Sinn und Geiste der Bürgerschaft handelnd, auf den dem Unglück folgenden Sonntag, 21. Juni, einen öffentlichen Trauergottesdienst im Münster angeordnet und zudem verfügt, dass auf allen Kanzeln der Stadt zur gewöhnlichen Stunde des Gottesdienstes der erschütternden Katastrophe solle gedacht werden. In einigen Gemeinden wurden Abends besondre Trauerfeiern abgehalten, so zu St. Leonhard, zu St. Theodor und auch diesen strömte eine nicht minder dichte Menge von Trauernden zu als dem offiziellen Akt im Münster. Auch sonst hatte sich Basel in diesen schweren Tagen zahlreicher Beweise von Liebe und Theilnahme zu erfreuen, so von Seiten der Mitstände und einzelner Schweizerstädte; auch die badische grossherzogliche Familie und die Kaiserin von Deutschland zogen genaue Erkundigungen ein. Aus Zürich und Freiburg i. B. wurde von den Vorstehern der chirurgischen Kliniken werkthätige Hülfe angeboten. Für die Hinterlassenen der Opfer wurden ohne dass man sammelte, reiche Geldsummen zusammengelegt, darunter je 10000 Fr. von der Jura-Simplonbahn und von der französischen Ostbahn. Endlich hat eine besonders schwer durch die Katastrophe betroffene Familie zum Andenken an den 14. Juni ein Landgut unmittelbar bei der eingestürzten Brücke zur Verfügung gestellt, in welchem ein Reconvalescentenhaus für kranke Männer und Jünglinge soll eingerichtet werden; Anfangs Juli wurde mit Geldsammlung für die Unkosten begonnen. Die ganze auf den 14. Juni folgende Woche war für Basel eine Zeit der Trauer. Die Stadt stand unter dem Eindruck des Unheils in einer Weise, dass man das gewohnte Geschäft nur mechanisch verrichtete und alle wirkliche Theilnahme auf Münchenstein gerichtet hielt. Nur was mit dem Unglück irgend zusammenhing, wurde der Beachtung werth gehalten, so beispielsweise, dass das Kantonsblatt eine Anzahl von Primarlehrerstellen zu thunlichst rascher Besetzung ausschrieb, weil gerade die baselstädtischen Primarschulen verschiedene Lehrkräfte wenigstens zeitweise verloren hatte. Es leitet uns diess hinüber zur Nennung einiger Todten. Dabei macht die Chronik von ferne nicht auf Vollständigkeit Anspruch, sondern möchte einige der am meisten hervortretenden Personen oder Familien kurz erwähnen. So raubte das Unglück unsrer Allgemeinen Gewerbeschule ihren trefflichen Direktor Wilhelm Bubeck. Ursprünglich Architekt, zeigte er sich durch seine geistigen Anlagen und durch seine umfassende Bildung für diesen Posten geeignet wie kaum ein zweiter und wurde nun in der Blüthe der Jahre (41jährig) durch diesen schrecklichen Tod dahingerafft. Mit ihm kam um sein Bruder Hans Paul, Primarlehrer, seine unverheirathete Schwester Johanna Lydia und seine Nichte; schwer verletzt wurde der betagte ehrwürdige Vater Bubeck und die Gattin des verstorbenen Hans Paul. Eine Frau Dielmann starb mit drei Kindern von 8-11 Jahren und hinterlässt einen Wittwer mit drei Kindern; ein Bürger von Serrieres, Grosjean, kam mit Frau und Knäblein um; weiterhin erlitt einen schweren Verlust das Basler Gemeinwesen durch den Tod des pflichtgetreuen kenntnissreichen Grundbuchverwalters und frühern Amtmanns Bened. Haga; Dr. Aug. Jenny, ein 25jähriger zu schönen Hoffnungen berechtigender Philologe und Historiker, Bezirkslehrer in Therwil, wurde erst 10 Tage nach dem Unglück als Leiche aus der Birs gezogen; aus einem an Bethätigung der Christenpflichten reichen Leben wurde der Fabrikant Bened. Stähelin-Linder weggerafft; Jakob Suter, Besitzer der grossen Magazine zum Wilden Mann, ein self made man und leutseliger Mensch, erlag erst nach einigen Tagen im Spital seinen schweren Verletzungen; Dr. C. Vögtlin mit einem Töchterlein starb aus einer vielversprechenden Carriere hinweg. Die traurige Liste liesse sich noch lange fortsetzen. Auch noch gar manche bezeichnende Einzelheit andrer Art wird der Leser in diesem kurzen Bericht der Chronik vermissen. Es ist aber auch in diesen allgemeinen Zügen genug des Jammers und Unglückes. Wenn der Schreiber etwas bedauert, so ist es der Umstand, dass er an dieser Stelle nicht auch von den wunderbaren Rettungen Kunde geben darf, welche in so grosser Zahl bei dieser Katastrophe vorkamen und ein freundliches Gegenstück bilden zu dem namenlosen Unglück.
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Ein im Laufe des Nachmittag niedergegangenes Gewitter, welches auch viel Hagel brachte, richtet im...
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